Mittwoch, 9. September 2009

WZB Forschung zu ungleichem Gehalt der Akademikerinnen

Die Wissenschaftlerinnen Kathrin Leuze und Susanne Strauß vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gehen im aktuellen "WZBrief Arbeit" der Frage nach, welche Ursachen diese immensen Einkommensunterschiede haben.

Als Erklärung für das unterschiedliche Einkommen galt bisher vor allem der Unterschied in den Erwerbsverläufen von Männern und Frauen. Weil sich Familie und Beruf schwer vereinbaren lassen, unterbrechen Frauen oft ihre Erwerbstätigkeit, arbeiten in Teilzeit oder wechseln Beruf und Arbeitsstelle häufiger als Männer. All dies wirkt sich negativ auf das Einkommen aus.
Eine ebenso große Rolle spielt jedoch die Wahl des Studienfachs, wie die beiden Forscherinnen in ihrer Untersuchung nachweisen. Ein hoher Anteil von Frauen in einem Studienfach (über 60 %) geht mit einem niedrigeren Brutto-Monatseinkommen im entsprechenden Beruf einher. So haben AbsolventInnen aus Fächern wie Sozial- oder Erziehungswissenschaften ein um 26 % niedrigeres Einkommen als Befragte mit einem Studienabschluss in männlich dominierten Fächern wie den Ingenieurswissenschaften.
Der "WZBrief Arbeit" informiert mehrmals im Jahr über aktuelle Ergebnisse aus der Arbeitsforschung am WZB. Er richtet sich an ExpertInnen und PraktikerInnen in Politik und Verbänden, Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden, Berufsschulen und Medien.
AutorInnen des "WZBriefs Arbeit" sind die WissenschaftlerInnen am WZB, die zu Fragen von Arbeitsmarkt, Arbeitspolitik, Organisationen und Erwerbsverläufen forschen.

Der "WZBrief Arbeit" ist im Internet unter www.wzb.eu als PDF abrufbar.
Ein Mailservice, der über jede neue Ausgabe des "WZBriefs Arbeit" informiert, kann entweder dort oder per E-Mail abonniert werden: wzbriefarbeit@wzb.eu

Aviva zur neuen Brigitte Studie

AVIVA-BERLIN.de im September 2009:
Brigitte-Studie Frauen auf dem Sprung. Das Update wurde am 07. September 2009 in Berlin vorgestellt
AVIVA-Redaktion

Rund 500 junge Frauen wurden zu ihren Vorstellungen von Beruf und Familienplanung befragt. Laut Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) Jutta Allmendinger...


...seien Frauen sogar kompromissloser geworden.

Deutschlands führende Frauenzeitschrift hat in Zusammenarbeit mit dem WZB und mit dem Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) die Studie "Frauen auf dem Sprung" fortgesetzt. Bereits im Jahre 2007 wurden 1.020 Frauen im Alter von 17 bis 29 und von 27 bis 29 Jahren zu ihren Hoffnungen und Plänen befragt.

Die repräsentative Studie vor 18 Monaten zeigte, dass die Frauengeneration von morgen die emanzipatorischen Forderungen von gestern verinnerlicht hatte. Noch nie waren Frauen so selbstbewusst!

18 Monate später folgte nun das Update. In der repräsentativen Untersuchung wurden erneut 500 Frauen befragt, die 2007 bereits an der Studie teilgenommen hatten. Darüber hinaus wurden auch, wie im Jahre 2007, wieder 450 Männer interviewt. Die Vorstellungen beider Geschlechter driften enorm auseinander. So waren es 2007 noch ein Drittel der befragten Männer, die eine Chef-Position ansteuern. Im Jahre 2009 sind es bereits 60 %.
Erschreckend ist das Ergebnis, dass 52 % der Männer ein höheres Gehalt als ihre Partnerin anstreben.

"Die jungen Frauen machen keinen Rückzieher, im Gegenteil, sie bekräftigen noch selbstbewusster, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen", so die Soziologin und wissenschaftliche Leiterin der Studie Prof. Jutta Allmendinger.

Kinder UND Karriere
17 % der weiblichen Befragten würden für ihren Partner den Beruf wechseln. 2007 waren es hingegen noch 37 %, die dieser Forderungen nachgegangen wären.
Auf Kinder verzichten, weil der Partner das möchte, würde nicht einmal jede zehnte der Befragten akzeptieren.
2007 waren noch 9 % der Frauen bereit, ihre Familie für den Beruf zu vernachlässigen. 2009 sind es nur 4 %.

Trotz der problematischen Lage auf dem Arbeitsmarkt beurteilen die Frauen ihre eigenen Chancen zuversichtlich. "Sie wissen, dass sie gebraucht werden und fühlen sich eher als Gewinnerinnen der Krise", so Prof. Jutta Allmendinger.

Im Jahr der Wirtschaftskrise hat eine starke Politisierung der Frauen stattgefunden. Fast die Hälfte kann sich vorstellen, gesellschaftlich aktiv zu werden. "Diese Bereitschaft, den Mund aufzumachen, sich auch politisch zu engagieren, zeugt von Verantwortungsgefühl. Das ist ein enormer Umbruch", sagt die Soziologin Allmendinger.
Partnerschaft und Geld
37 % der Frauen wünschen sich, dass sich der Partner Zeit für die Familie nehme.
Das Einkommen spielt hierbei die geringste Rolle. Nur 11 % der Interviewten empfinden das Einkommen des Partners als wichtig.
Die Frauen erwarten eine gleichberechtigte Partnerschaft, das Ernährermodell hat längst ausgedient. Sie möchten unabhängig sein und ihr eigenes Geld verdienen.

Für 91 % der Befragten steht ein sicherer Arbeitsplatz an erster Stelle. 60 % der jungen Frauen empfinden ein hohes Einkommen als wichtig. Laut Jutta Allmendinger verärgere Frauen die Tatsache, dass sie stets weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen.

Im Rahmen der Veröffentlichung der Brigitte-Studie äußerte sich Irmingard Schewe-Gerigk, Parlamentarische Geschäftsführerin und frauenpolitische Sprecherin, Bündnis 90 / Die Grünen, zur geschlechtlichen Lohndifferenzierung:

"Noch immer resultiert ein Drittel der Lohndiskriminierung aus direkter Diskriminierung wegen des Geschlechts. Es ist an der Zeit, traditionelle Geschlechterstereotype und Vorurteile in unserer Gesellschaft zu überwinden und alle Personen entsprechend ihrer Leistung zu bezahlen.
Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft würde sich positiv auf die Entgeltgleichheit auswirken. Von einem gesetzlichen Mindestlohn würde immerhin jede vierte Frau profitieren. Aber auch die Tarifparteien sind gefordert, alle Tarifverträge auf diskriminierende Elemente zu überprüfen. Unternehmen wie auch Gewerkschaften müssen diese Aufgabe endlich ernst nehmen. Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt kann nur durch die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen erreicht werden."

Die Frauen von morgen sind selbstbewusst und stark. Sie wollen einen Beruf und eigenes Geld, fast ausnahmslos wollen sie Kinder, und sie wollen Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

"Die Zeiten sind günstig für Frauen. Sie wollen springen, ich hoffe, sie werden das auch tun", resümiert Prof. Jutta Allmendinger.


Weitere Informationen und die vollständigen Studienergebnisse finden Sie unter: www.brigitte.de

Lesen Sie auch die Studienergebnisse zu Frauen auf dem Sprung. BRIGITTE untersucht die Neuen Frauen von 2008.

Projekt Zukunft fragt Anke Domscheit

Kopf des Monats September 2009: Anke Domscheit
Director Government Relations, Microsoft Deutschland und Mit-Initiatorin des „Government 2.0 Camp“Links:

www.gov20.de
Wie lassen sich Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor verbessern? Welche Werkzeuge für Bürgerbeteiligung bietet Web 2.0? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des Government 2.0 Camp, das erstmals am 28. August in Berlin stattfand. Die Idee für das Format hat Initiatorin Anke Domscheit aus den USA übernommen. Im Innovatorsclub des Städte- und Gemeindebundes fand sie sofort Mitstreiter der ersten Stunde. Bei einem „Barcamp“ steht keine Agenda vorab fest, die Teilnehmer bieten zu Beginn der Veranstaltung ihre Sessions an, das Auditorium stimmt darüber ab. Die Sessions selbst sind interaktiv. Bei einem Barcamp wird kurz präsentiert, dann gemeinsam diskutiert und nach Lösungen oder Ideen gesucht. Das Format passt so ideal zur Interaktivität des thematischen Gegenstands – der Nutzung von Web 2.0 in der Verwaltung.

Welche Ziele und Inhalte verfolgt das Government 2.0 Camp?

Frau Domscheit: Das Government 2.0 Camp möchte Menschen aller Hintergründe vernetzen, die sich dafür interessieren, wie Web 2.0 Werkzeuge und Methoden die Kommunikation zwischen Staat und Bürger verbessern können. Dazu gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung genauso wie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftlichen Institutionen, Social Media Experten, Anbieter von Web 2.0 Lösungen für Verwaltungen aber auch Bürgerinnen und Bürger. Auch das Organisationsteam setzte sich aus diesen Gruppen zusammen. Mit dem Camp sollen Potenziale von Social Media für die Verwaltung transparenter und die zahlreichen guten Beispiele aus dem In- und Ausland bekannter werden. Deutschland ist zwar bestenfalls im Mittelfeld, aber dennoch gibt es auch hierzulande etliche innovative Government 2.0 Anwendungen. In Brandenburg etwa wird den Bürgern mit www.maerker.brandenburg.de eine Plattform zur Verfügung gestellt, mit der sie Probleme in der kommunalen Infrastruktur melden und den Status der Erledigung nach einem Ampelsystem kontinuierlich im Internet verfolgen können. Hamburg bietet Bürgern sogar die Möglichkeit, sich meinungsbildend an der Haushaltsplanung zu beteiligen.

Nach dem Vorbild von US Präsident Obama kann man nun auch in Deutschland Fragen an Politiker und Vertreter der Regierung stellen, die auf unzensierten Portalen veröffentlicht und von Bürgern bewertet werden. Antworten der Volksvertreter auf die Fragen mit der höchsten Priorität für die Bürger werden dort veröffentlicht – ein Beispiel aus dem Bund ist www.direktzurkanzlerin.de, hier in Berlin kann man an Wirtschaftssenator Wolf Fragen stellen (www.direktzu.de/wolf).

Sie haben die Veranstaltung erfolgreich durchgeführt. Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse? Gibt es konkrete Ergebnisse?

Frau Domscheit: Zum ersten deutschen Government 2.0 Camp kamen fast 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem Ausland. Es wurden 33 Sessions in einer breiten Themenvielfalt angeboten. So diskutierte das Bundesinnenministerium den Entwurf der nationalen E-Government- Strategie öffentlich und gewann wertvolle Rückmeldungen, die in die Weiterentwicklung der Strategie einfließen können. Von den 40 Prozent Verwaltungsangehörigen unter den Teilnehmenden beteiligten sich sehr viele aktiv am Geschehen. Ihr Feedback war durchweg positiv. Besonders geschätzt wurden der direkte Austausch mit Menschen aus ganz anderen Bereichen und die kreative Atmosphäre.

Wie geht es nun weiter? Wird es 2010 wieder ein Government 2.0 Camp geben? Planen Sie begleitende Maßnahmen und/oder Initiativen?



Frau Domscheit: Der große Erfolg des Government 2.0 Camps ist für uns eine Aufforderung, das Format weiterhin anzubieten und auch in kommenden Jahren für die Weiterentwicklung des Dialogs zwischen Bürgern und Verwaltung in Deutschland zu nutzen. Das Bundesinnenministerium hat darüber hinaus einen Forschungsauftrag an die Erfurt School of Public Policy erteilt, in dem das Camp nicht nur umfassend dokumentiert wird sondern auch eine Aufbereitung aller Ergebnisse und Inhalte erfolgt. Die vollständige Dokumentation wird unter http://gov20.cpmg.eu zu finden sein, schon jetzt gibt es dort erste Berichte und Liveblogs.

Die Event Website www.gov20.de wird zu einer Expertenplattform erweitert. Dort werden weiterhin kontinuierlich neue Artikel zu Government 2.0 eingestellt. Aber da Web 2.0 für das Netzwerken steht, sind wir stolz darauf, dass in der elektronischen Community bereits über 400 Mitglieder vernetzt sind. Viele Kontakte sind außerdem auf der Veranstaltung entstanden oder intensiviert worden. In diesem Netzwerk lebt das Government 2.0 Camp auch zwischen den Veranstaltungen weiter.

Dienstag, 28. Juli 2009

Divida Stiftung startet Berliner Patinnenprojekt

divida startet Patinnenprojekt für Mädchen und junge Frauen mit Förderbedarf im Juli 2009
AVIVA-Redaktion

Die divida Stiftung will mit dem Projekt "Z.O.P.F. – Zukunft optimieren – Perspektiven fördern" Patinnenschaften zwischen engagierten und benachteiligten Frauen herstellen und koordinieren


Die gemeinnützige divida Stiftung knüpft an die Tradition der Frauenbewegung an und möchte diese mit den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit verbinden. Die Stiftung fördert Frauen verschiedener Generationen, die sich gegenseitig in ihren unterschiedlichen Lebenslagen aktiv unterstützen.

Bezug nehmend auf ihr Motto Frauen und Mädchen – Zukunft gestalten, widmet sie sich Mädchen und jungen Frauen, denen eine unterstützende und fördernde Ansprechpartnerin im sozialen Umfeld fehlt. Durch Ermutigung in Entwicklungs- und Entscheidungssituationen kann den Mädchen entscheidend weitergeholfen werden.

Insbesondere betrifft dies junge Frauen, die sich aktuell mit ihrer beruflichen Perspektive und gesellschaftlichen Position auseinandersetzen, um für sich die Chancen eines selbstbestimmten Lebens zu erhöhen.

Mentorinnen und Patinnen gesucht

Auf der anderen Seite gibt es genügend im Leben stehende Frauen, die sich wünschen, ihre Lebenserfahrung und ihre individuell erworbenen Ressourcen sinnvoll weiterzugeben und zu teilen, um so auf persönliche Weise zum Wohle junger benachteiligter Frauen beitragen zu können.

Das Patinnenprojekt Z.O.P.F. bringt diese Frauen zueinander. Die Patinnenschaften werden individuell und in gegenseitigem Einvernehmen gestaltet und von der divida Stiftung beratend unterstützt.

1. Matching-Day zum Patinnenprojekt (Z.O.P.F. – Zukunft optimieren – Perspektiven fördern)



Samstag, 19. September 2009, 12:00 – 18:00 Uhr
1. Matching – Day
Bezug nehmend auf ihr Motto initiiert die gemeinnützige divida Stiftung – Frauen und Mädchen Zukunft gestalten, ein Patinnenprojekt (Z.O.P.F. – Zukunft optimieren – Perspektiven fördern), durch das unterstützende Beziehungen zwischen engagierten, älteren und jungen, benachteiligten Frauen "gestiftet" und koordiniert werden sollen. Hierzu findet der "1. Matching-Day" statt, an dem die Idee der Patinnenschaft noch einmal vorgestellt wird und sich die Gelegenheit zum kennen lernen, Adressen austauschen und für weitere Schritte in die beginnende Patenschaft bietet.
Veranstaltungsort: Die Gelbe Villa
Wilhelmshöhe 10
10965 Berlin
Anmeldung unter: info@divida-stiftung.deoder 030 – 612 85 390
Weitere Infos unter: www.divida-stiftung.de


Weitere Infos zur divida Stiftung und zum Berliner Patinnenprojekt finden Sie unter:

www.divida-stiftung.de

Mord an Natalja Estemirowa

Mord an Natalja Estemirowa
Sharon Adler

Nach Anna Politkowskaja, Anastasia Barburowa, Stanislaw Markelow, Alexander Litvinenko und unzähligen weiteren Menschen wurde am 15.07.2009 die für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnete ...


... Menschenrechtlerin und Journalistin Natalja Estemirowa brutal ermordet.

Die frühere Journalistin und Kollegin von Anna Politkowskaja arbeitete für die Menschenrechtsorganisation "Memorial" in Grosny, Tschetschenien. Ihre Leiche wurde einige Stunden nach ihrer Entführung in der benachbarten Republik Inguschetien in einem Waldstück nahe der Stadt Nasran gefunden, nachdem Estemirowa am Morgen in der tschetschenischen Hauptstadt verschleppt worden war.

Genau wie die Journalistin und Schriftstellerin Anna Politkowskaja war auch Natalja Estemirowa für ihre kritische Berichterstattung bekannt. So schrieb auch sie regelmäßig für die Moskauer Oppositionszeitung "Nowaja Gasjeta". Auch die Morde folgen einem Muster: Überfall und Entführung vor der Wohnung und Hinrichtung durch mehrere Kopfschüsse.

Natalja Estemirowa war den Machthabern unbequem. Seit dem zweiten Tschetschenienkrieg 1999 bis zum Zeitpunkt ihres Todes hatte die Tochter russisch-tschetschenischer Eltern Recherchen über Hinrichtungen im Tschetschenienkrieg betrieben, hatte Menschenrechtsverletzungen wie Entführungen, Folter und Morde in der nordkaukasischen Republik öffentlich angeprangert, AugenzeugInnenberichte gesammelt und den kremltreuen tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow für diese Übergriffe verantwortlich gemacht. Der wiederum hat Putins Unterstützung, so die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa auf der Pressekonferenz, zu der die Moskauer KollegInnen Natalja Estemirowas am Tag nach der Ermordung aufgerufen hatten.

Die ehemalige Lehrerin Natalja Estemirowa, die als alleinerziehende Witwe mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter in Grosny lebte, wurde für ihr unerschrockenes Engagement in 2007 mit dem ersten Anna-Politkowskaja-Preis, mit der Robert-Schumann-Medaille des Europaparlaments und einer Auszeichnung des schwedischen Parlaments geehrt.

Der Mord an Natalja Estemirowa darf nicht ungestraft bleiben. Der russische Präsident Dimitri Medwedjew hat während seines Deutschlandaufenthaltes in Gegenwart von Angela Merkel die Aufklärung des Verbrechens beteuert. Wir werden beobachten, ob dieses Versprechen eingehalten wird. Die Morde an den Journalistinnen Anna Politkowskaja und Anastasia Barburowa, dem Anwalt Stanislaw Markelow und vielen weiteren Menschenrechtsaktivistinnen sind jedenfalls bis heute nicht aufgeklärt worden.

An dieser Stelle veröffentlicht AVIVA-Berlin eine Auswahl von Stimmen zum Tod von Natalja Estemirowa:

"Das ist ein politischer Mord.
Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden von Natalja Estemirowa.
Wir drücken unsere Solidarität mit den Kollegen von Natalja Estemirova und fordern von der russischen Regierung eine klare Stellungnahme zu diesen Morden in Russland.
Wir fordern, dass im Rahmen des diesjährigen Petersburger Dialogs umgehend eine spezielle Konferenz zum Thema "Morde an Menschenrechtlern in Russland" durchgeführt wird." (MEMORIAL Deutschland e.V.)

"Wir bewundern den außergewöhnlichen Mut dieser Menschenrechtsaktivistin und früheren Journalistin. Wir fordern die russischen Behörden auf, gegen die alltägliche Gewalt, unter der die Bevölkerung im Nordkaukasus leidet, aktiv zu werden." (Reporter ohne Grenzen, ROG)

"Amnesty International verurteilt die Ermordung von Natalia Estemirowa, einer führenden Menschenrechtsverteidigerin im Nordkaukasus auf das Schärfste. Die Organisation trauert um eine langjährige enge Freundin und Verbündete. Amnesty International fordert ein Ende der Straflosigkeit für Morde an Menschenrechtsverteidigern, Journalisten und Anwälten in Russland." (Amnesty International)

"Die Forderung nach Aufklärung ist notwendig, aber der Glaube daran sinkt. Dass auch der russische Präsident sie erhoben hat, nützt wenig. Derlei Worte gab es auch früher schon. Die Politik der russischen Behörden spricht eine andere Sprache." (Marieluise Beck MdB, Bündnis 90/Die Grünen)

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "nicht hinnehmbaren Ereignis".