6. WORLD WOMEN WORK - AVIVA-Berlin war Medienpartnerin.
Lesen Sie hier spannende Interviews
Sharon Adler
Think Global. Am 21. Mai 2008 fand in Berlin die sechste Auflage der WORLD WOMEN WORK Konferenz unter dem Motto "Just do it!" – Karrieren in einer globalisierten Arbeitswelt statt.
Die beruflichen Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für Frauen haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich erweitert – nicht zuletzt aufgrund einer Arbeitswelt, die Ländergrenzen überschreitet und nicht nur den Blick über den nationalen Tellerrand, sondern auch den Sprung über diesen hinaus ermöglicht.
Gerade dieser Blick über Grenzen und traditionelle Arbeitsmuster hinweg macht deutlich: Frauen sind dabei, mit Leistung, Leidenschaft und Ehrgeiz die "Hälfte des Himmels" nicht nur für sich zu beanspruchen sondern sich auch zu greifen. Dass dies vor allem in Deutschland noch immer zu oft eine Entscheidung zwischen Karriere und Familie ist, gilt es als einen Auftrag zum Mentalitätswandel in Unternehmenskulturen und in der Gesellschaft anzunehmen.
Die Themen "Think Global – Karrieren im internationalen Umfeld", "Karriere mobil – Chancen und Herausforderungen in der vernetzen Arbeitswelt" und "Messbare Erfolge in Unternehmen durch aktive Diversity-Politik" diskutieren mit Ihnen kompetente SprecherInnen wie:
Katinka M. Ackermann, State Street Corporation
Judith Bogner, Bloomberg TV
Barbara Brosius, UBS Deutschland AG
Prof. Sissi Closs, Comet Computer GmbH
Corinna Emundts, Politische Journalistin
Catrin Hinkel, Accenture
Anke Hunzinger, Solon AG
I.E. Ruth Jacoby, Schwedische Botschaft
Susanne Klöß, Accenture
Petra Ledendecker, Verband deutscher Unternehmerinnen e.V.
Prof. Dr. Ernst-Moritz Lipp, Odewald und Compagnie, Gesellschaft f. Beteiligungen mbH
Angelika Lipp-Krüll, Südwestrundfunk
Dr. Natalie Lotzmann, SAP Deutschland AG und Co. KG
Dr. Ljiljana Mitic, Hewlett-Packard GmbH
Dr. Martina Niemann, Deutsche Bahn AG
Dr. Brigitte Nijs, Procter und Gamble Service GmbH
Cornelia Sengpiel, Profiplaza GmbH und Co. KG
Vladimir Spidla, PhD, European Commission
Prof. Dr. Rita Süssmuth, Präsidentin des Bundestags a.D., Schirmfrau WORLD WOMEN WORK
Heiner Thorborg, Heiner Thorborg GmbH und Co. KG
Lesen Sie hier spannende Interviews (in Kürze folgen noch weitere, es lohnt sich also, öfter vorbeizuschauen):
Interview mit Meera Shankar - indische Botschafterin in Berlin
Interview mit Pia Bohlen-Mayen - Betreiberin von femity.
Interview mit Ruth Jacoby - schwedische Botschafterin in Berlin
Interview mit Catrin Hinkel - Geschäftsführerin bei Accenture im Bereich Communications und High Tech
Interview mit Angelika Lipp-Krüll - Gleichstellungsbeauftragte und erste stellvertretende Vorsitzende des SWR-Gesamtpersonalrates
Interview mit Petra Ledendecker - Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU)
Weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter:
www.malekigroup.com
AVIVA-Berlin bedankt sich herzlich bei dem Hotel Hilton Berlin für die Bereitstellung eines Rechners und Internetzugangs!
Mittwoch, 18. Juni 2008
Mittwoch, 11. Juni 2008
Eine Außenansicht von Juli Zeh
Wer schlau ist, spielt mit
Alice Schwarzer, Charlotte Roche und Eva Herman: Wie Frauen im Feminismusbetrieb ihr Auskommen sichern.
Neulich bin ich bei der Familie einer Freundin zu Besuch. Nach dem Abendessen läuft der Fernseher.
"Guckt mal", ruft die Mutter meiner Freundin, "da ist Alice Schwarzer!" Das wäre mir ohne den Hinweis kaum aufgefallen. Ich dachte immer, das Gesicht von Alice Schwarzer würde gewissermaßen ab Werk auf alle Fernsehbildschirme gemalt.
"Früher war die immer so aggressiv", sagt die Mutter meiner Freundin, die übrigens 1942, also im selben Jahr wie Frau Schwarzer, geboren ist. "Inzwischen hat sie aber reden gelernt und lacht auch gern. Hat sich toll entwickelt, die Frau. Sieht auch gut aus für ihr Alter."
Vom Monster zur Marke: Treffender als die Mutter meiner Freundin könnte man die Transformation des deutschen Feminismus wohl kaum zusammenfassen. Alice Schwarzer, das ehemalige "Sturmgeschütz der Gleichberechtigung" (Harald Schmidt, in lobender Absicht), wurde vom Medienbetrieb sauber für die eigenen Reihen rekrutiert.
"Lest ihr eigentlich Emma?"
Meine Freundin und ich sehen uns an. Wir lesen Emma nicht, und wir kennen auch niemanden, der Emma liest. Warum sollten wir auch? Selbst Alice Schwarzer wählt, wenn sie etwas Provokatives über Burma zu sagen hat, nicht ihre eigene Zeitung als Sprachrohr, sondern die FAZ.
Der gute alte Kampf gegen Pornos kinderleicht modernisiert
Einstweilen titelt Emma mit den Gefahren der Online-Sexsucht für den Mann von heute. So lässt sich der gute alte Kampf gegen die Pornographie kinderleicht modernisieren: Man tut einfach ein bisschen Internet dazu. Erkenntnisgewinn und gesellschaftliche Relevanz tendieren trotzdem gegen null.
Die Gründe dafür, warum Alice Schwarzers Medienpräsenz ungebrochen ist, während der klassische Feminismus, den sie verkörpert, in der Bedeutungslosigkeit versinkt, sind simpel.
Frau Schwarzer ist, ob zu Recht oder zu Unrecht, die personifizierte Perpetuierung des weiblichen Opferschemas. Die Reduzierung komplexer Zusammenhänge auf Schwarz und Weiß, das Anbieten handlicher Mann-Frau-Antagonismen passt den Talkshows mit ihrem Parolengestus bestens in den Kram.
Dabei ist das Medienphänomen Schwarzer gerade deshalb so beliebt, weil es als solches den bestehenden Strukturen nicht gefährlich werden kann. Hinter den Kulissen liegen sich sämtliche Protagonisten in den Armen; Schattenboxen ist ihr Geschäft. Deshalb kann Alice Schwarzer heute für Bild werben und von Harald Schmidt, dem Altmeister des chauvinistischen Witzes, einen Publizistikpreis entgegennehmen.
Wenn die Intimrasur zum politischen Problem wird
Einstweilen versucht die nachfolgende Generation unter dem uralten Etikett "neu" eine Wiederbelebung des Feminismus durch Mund-zu-Möse-Beatmung. Die "neuen" Vertreterinnen nennen sich gern "Girls" oder "Mädchen", haben reden gelernt, lachen auch gern und sehen nicht nur für ihr Alter gut aus.
Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden; auch nicht gegen das Projekt, den Geschlechterkampf im dualen System der Unterhaltungsindustrie zu recyceln und damit tüchtig Geld zu verdienen. Von mir aus können junge Frauen auch gern ungewaschene Mösen und Vaginasekret in Döschen als eine Form weiblicher Freiheit betrachten - der wahre Kern der Freiheit in unserem Land besteht ja gerade darin, dass wir (fast) jedem Schwachsinn eine Ausdrucksmöglichkeit zugestehen.
Ärgerlich wird es, wenn durch die Verwendung des Begriffs "Feminismus" andere Frauen in Sippenhaft genommen und Alleinvertretungsansprüche behauptet werden. Vielleicht befreit es von einem gewissen psychischen Druck, die totale Reduzierung der Frau auf ihren Körper eigenhändig zu Ende zu führen, indem man Intimrasur zu einem politischen Problem erhebt.
Alice Schwarzer, Charlotte Roche und Eva Herman: Wie Frauen im Feminismusbetrieb ihr Auskommen sichern.
Neulich bin ich bei der Familie einer Freundin zu Besuch. Nach dem Abendessen läuft der Fernseher.
"Guckt mal", ruft die Mutter meiner Freundin, "da ist Alice Schwarzer!" Das wäre mir ohne den Hinweis kaum aufgefallen. Ich dachte immer, das Gesicht von Alice Schwarzer würde gewissermaßen ab Werk auf alle Fernsehbildschirme gemalt.
"Früher war die immer so aggressiv", sagt die Mutter meiner Freundin, die übrigens 1942, also im selben Jahr wie Frau Schwarzer, geboren ist. "Inzwischen hat sie aber reden gelernt und lacht auch gern. Hat sich toll entwickelt, die Frau. Sieht auch gut aus für ihr Alter."
Vom Monster zur Marke: Treffender als die Mutter meiner Freundin könnte man die Transformation des deutschen Feminismus wohl kaum zusammenfassen. Alice Schwarzer, das ehemalige "Sturmgeschütz der Gleichberechtigung" (Harald Schmidt, in lobender Absicht), wurde vom Medienbetrieb sauber für die eigenen Reihen rekrutiert.
"Lest ihr eigentlich Emma?"
Meine Freundin und ich sehen uns an. Wir lesen Emma nicht, und wir kennen auch niemanden, der Emma liest. Warum sollten wir auch? Selbst Alice Schwarzer wählt, wenn sie etwas Provokatives über Burma zu sagen hat, nicht ihre eigene Zeitung als Sprachrohr, sondern die FAZ.
Der gute alte Kampf gegen Pornos kinderleicht modernisiert
Einstweilen titelt Emma mit den Gefahren der Online-Sexsucht für den Mann von heute. So lässt sich der gute alte Kampf gegen die Pornographie kinderleicht modernisieren: Man tut einfach ein bisschen Internet dazu. Erkenntnisgewinn und gesellschaftliche Relevanz tendieren trotzdem gegen null.
Die Gründe dafür, warum Alice Schwarzers Medienpräsenz ungebrochen ist, während der klassische Feminismus, den sie verkörpert, in der Bedeutungslosigkeit versinkt, sind simpel.
Frau Schwarzer ist, ob zu Recht oder zu Unrecht, die personifizierte Perpetuierung des weiblichen Opferschemas. Die Reduzierung komplexer Zusammenhänge auf Schwarz und Weiß, das Anbieten handlicher Mann-Frau-Antagonismen passt den Talkshows mit ihrem Parolengestus bestens in den Kram.
Dabei ist das Medienphänomen Schwarzer gerade deshalb so beliebt, weil es als solches den bestehenden Strukturen nicht gefährlich werden kann. Hinter den Kulissen liegen sich sämtliche Protagonisten in den Armen; Schattenboxen ist ihr Geschäft. Deshalb kann Alice Schwarzer heute für Bild werben und von Harald Schmidt, dem Altmeister des chauvinistischen Witzes, einen Publizistikpreis entgegennehmen.
Wenn die Intimrasur zum politischen Problem wird
Einstweilen versucht die nachfolgende Generation unter dem uralten Etikett "neu" eine Wiederbelebung des Feminismus durch Mund-zu-Möse-Beatmung. Die "neuen" Vertreterinnen nennen sich gern "Girls" oder "Mädchen", haben reden gelernt, lachen auch gern und sehen nicht nur für ihr Alter gut aus.
Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden; auch nicht gegen das Projekt, den Geschlechterkampf im dualen System der Unterhaltungsindustrie zu recyceln und damit tüchtig Geld zu verdienen. Von mir aus können junge Frauen auch gern ungewaschene Mösen und Vaginasekret in Döschen als eine Form weiblicher Freiheit betrachten - der wahre Kern der Freiheit in unserem Land besteht ja gerade darin, dass wir (fast) jedem Schwachsinn eine Ausdrucksmöglichkeit zugestehen.
Ärgerlich wird es, wenn durch die Verwendung des Begriffs "Feminismus" andere Frauen in Sippenhaft genommen und Alleinvertretungsansprüche behauptet werden. Vielleicht befreit es von einem gewissen psychischen Druck, die totale Reduzierung der Frau auf ihren Körper eigenhändig zu Ende zu führen, indem man Intimrasur zu einem politischen Problem erhebt.
Über die beiden Bücher MDR
"Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht."
Was mit dem pikanten Schlüsselroman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche begann, setzt sich jetzt mit Texten fort, die weniger auf Enthüllungen als auf Fakten und persönliche Eindrücke bauen. Da ist einmal das Buch "Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht" von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl und fast gleichzeitig ist das Buch "Neue deutsche Mädchen" von Jana Hensel und Elisabeth Raether erschienen.
Beide Texte, die "Alphamädchen" und die "Neuen deutschen Mädchen" handeln von jungen Frauen, Anfang 30, unabhängig, klug und selbstbewusst, die sich vom Feminismus einer Alice Schwarzer nicht mehr vertreten fühlen, weil ihre Probleme ganz andere sind als die von Frauen vor 30 Jahren. Der Feminismus war in den 70er- und 80er-Jahren eine wichtige Emanzipationsbewegung, um alte Denkmuster einzureißen. Seitdem hat sich gesellschaftlich so einiges bewegt, nicht zuletzt ist die Mauer verschwunden, hinter der sich auch zwei verschiedene Frauenbilder entwickelt haben.
"Wir versuchen, dieses 'Frau sein - heute' aus unserer persönlichen Perspektive zu erzählen, um auch in dieser Geschlechterdebatte, Frauendebatte, Familiendebatte, wie man das auch nennen will, um da so einen neuen Akzent zu setzen, weil wir festgestellt haben, alle reden über Frauen, alle wissen wie sie sind, aber niemand sagt 'Ich'."
Jana Hensel über ihre Sichtweise
Jana Hensel und Elisabeth Raether beschreiben das "Neue deutsche Mädchen"
Frauenbilder und Rollenverständnis
Die heutige Generation kann mit vielen Schlachtrufen der ursprünglichen Emanzipationsbewegung nichts mehr anfangen. Es gibt aber auch ein wiedererstarktes konservatives Frauenbild, das an die "Ideale" der 50er-Jahre anknüpfen will.
Ursprünglich ist der Feminismus, der, das sei hier noch mal betont, schon hundert Jahre älter ist als Alice Schwarzer, eine politische Bewegung. Sein Ziel war und ist die Gleichwertigkeit, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen. Auf den ersten Blick sind diese Ziele erreicht, auf den zweiten Blick scheinen sich aber immer noch Hürden aufzubauen. Und die sind so subtil wie hartnäckig. Wo die "Neuen deutschen Mädchen" "Ich!" sagen, sagen die "Alphamädchen" "Wir!" und deklinieren die alten Themen von Abtreibung bis Sexismus aus ihrer Sichtweise noch einmal durch.
"Alphamädchen" und "Neue deutsche Mädchen", das sind im Grunde zwei Seiten einer Medaille. Hier die Fakten, die Hintergründe, die Ratio, dort das Weiche, weniger Greifbare, das Gefühl, heute in Deutschland jung und weiblich zu sein. Welchen Text man zuerst liest, ist eigentlich egal, notwendig sind beide Bücher. Und sei es nur als Zwischenrufe in einer Debatte, in der die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau nur allzu gern wieder aufgerufen wird.
"Für uns war der ausschlaggebende Punkt dieser Backlash, dieses starke Rückorientieren in die 50er-Jahre und da nach Lebensformen zu suchen, das hat uns so entsetzt und auch wütend gemacht, dass uns da wieder Schranken auferlegt werden sollten, nur weil zu wenig Kinder geboren werden, dass wir ganz konkret gesagt haben: 'Da müssen wir was dagegen setzen.' Und das haben wir am Anfang noch gar nicht Feminismus genannt, wurde dann aber genau zu dem."
Susanne Klingner, Co-Autorin von "Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht"
Was mit dem pikanten Schlüsselroman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche begann, setzt sich jetzt mit Texten fort, die weniger auf Enthüllungen als auf Fakten und persönliche Eindrücke bauen. Da ist einmal das Buch "Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht" von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl und fast gleichzeitig ist das Buch "Neue deutsche Mädchen" von Jana Hensel und Elisabeth Raether erschienen.
Beide Texte, die "Alphamädchen" und die "Neuen deutschen Mädchen" handeln von jungen Frauen, Anfang 30, unabhängig, klug und selbstbewusst, die sich vom Feminismus einer Alice Schwarzer nicht mehr vertreten fühlen, weil ihre Probleme ganz andere sind als die von Frauen vor 30 Jahren. Der Feminismus war in den 70er- und 80er-Jahren eine wichtige Emanzipationsbewegung, um alte Denkmuster einzureißen. Seitdem hat sich gesellschaftlich so einiges bewegt, nicht zuletzt ist die Mauer verschwunden, hinter der sich auch zwei verschiedene Frauenbilder entwickelt haben.
"Wir versuchen, dieses 'Frau sein - heute' aus unserer persönlichen Perspektive zu erzählen, um auch in dieser Geschlechterdebatte, Frauendebatte, Familiendebatte, wie man das auch nennen will, um da so einen neuen Akzent zu setzen, weil wir festgestellt haben, alle reden über Frauen, alle wissen wie sie sind, aber niemand sagt 'Ich'."
Jana Hensel über ihre Sichtweise
Jana Hensel und Elisabeth Raether beschreiben das "Neue deutsche Mädchen"
Frauenbilder und Rollenverständnis
Die heutige Generation kann mit vielen Schlachtrufen der ursprünglichen Emanzipationsbewegung nichts mehr anfangen. Es gibt aber auch ein wiedererstarktes konservatives Frauenbild, das an die "Ideale" der 50er-Jahre anknüpfen will.
Ursprünglich ist der Feminismus, der, das sei hier noch mal betont, schon hundert Jahre älter ist als Alice Schwarzer, eine politische Bewegung. Sein Ziel war und ist die Gleichwertigkeit, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen. Auf den ersten Blick sind diese Ziele erreicht, auf den zweiten Blick scheinen sich aber immer noch Hürden aufzubauen. Und die sind so subtil wie hartnäckig. Wo die "Neuen deutschen Mädchen" "Ich!" sagen, sagen die "Alphamädchen" "Wir!" und deklinieren die alten Themen von Abtreibung bis Sexismus aus ihrer Sichtweise noch einmal durch.
"Alphamädchen" und "Neue deutsche Mädchen", das sind im Grunde zwei Seiten einer Medaille. Hier die Fakten, die Hintergründe, die Ratio, dort das Weiche, weniger Greifbare, das Gefühl, heute in Deutschland jung und weiblich zu sein. Welchen Text man zuerst liest, ist eigentlich egal, notwendig sind beide Bücher. Und sei es nur als Zwischenrufe in einer Debatte, in der die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau nur allzu gern wieder aufgerufen wird.
"Für uns war der ausschlaggebende Punkt dieser Backlash, dieses starke Rückorientieren in die 50er-Jahre und da nach Lebensformen zu suchen, das hat uns so entsetzt und auch wütend gemacht, dass uns da wieder Schranken auferlegt werden sollten, nur weil zu wenig Kinder geboren werden, dass wir ganz konkret gesagt haben: 'Da müssen wir was dagegen setzen.' Und das haben wir am Anfang noch gar nicht Feminismus genannt, wurde dann aber genau zu dem."
Susanne Klingner, Co-Autorin von "Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht"
Alter und neuer Feminismus
Sie nennen sich „Alphamädchen“ oder „neue deutsche Mädchen“ und sind doch längst dem Pubertätsalter entwachsen. Vertreterinnen der Generation 30plus propagieren selbstbewusst einen neuen Feminismus und wollen sich befreien - nicht von den Männern, zu aller erst von Alice Schwarzer. Von ihr, der Urmutter des bundesdeutschen Feminismus und Wegbereiterin der Frauenemanzipation, fühlen sich die Berliner Autorinnen Jana Hensel und Elisabeth Raether oder auch die „Alphamädchen“ Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl nicht mehr vertreten. Zu männerfeindlich, zu lustfeindlich, zu verbissen ist für sie die Emma-Gründerin. Ihre Verdienste finden zwar auch noch bei den Jungen Anerkennung. Doch der Kampf gegen das Patriarchat und für die Abtreibung war gestern, und Schwarzers PorNo-Kampagne ist für sie von vorgestern. Die Feministinnen von heute wollen anstelle einer politischen Auseinandersetzung lieber zum Ausdruck bringen, wie „Frausein aus der persönlichen Perspektive“ aussieht. Und wie persönlich das sein kann, zeigt eine weitere Neu-Feministin: Charlotte Roche. Ihr Tabubrecher–Buch „Feuchtgebiete“, in dem sie mit Hingabe die weibliche Intimsphäre erforscht, ist über Nacht zum Top-Seller geworden.
Fast milde reagiert Alice Schwarzer auf die Attacken der „neuen Feministinnen“. Als Journalistin, Schriftstellerin und Publizistin streitet sie unbeirrt weiter für die Sache der Frau.Jetzt wird Alice Schwarzer dafür mit dem renommierten Ludwig Börne-Preis ausgezeichnet.
ttt über Alice Schwarzer und die neuen Feministinnen, die sich „Mädchen“ nennen.
Text des Beitrags:
Bildunterschrift: ]
Sie liebt den großen Auftritt. Alice Schwarzer, deutsche Ur-Mutter der Emanzipation, furchtlose Feministin und unermüdliche Kämpferin. Die sich von niemandem den Mund verbieten lässt... und das Highlight jeder Talkshow. Ihre Gegner müssen einstecken können - am Ende bleibt sie immer die lachende Dritte. Alice Schwarzer predigt, schimpft und mahnt. Und geht vielen auf die Nerven...
Alice Schwarzer: „Da mach ich mir keine Sorgen, umstritten bin ich und bleibe ich.“
Widerspruch kommt jetzt von unerwarteter Seite – von jungen Frauen, die sich Mädchen nennen, aber schon über 30 sind. Sie wollen aufmerksam machen auf Probleme ihrer Generation und haben deshalb das Buch „Neue deutsche Mädchen“ geschrieben und auch sie wollen sich emazipieren - von Alice Schwarzer allerdings....
Jana Hensel: „Alice Schwarzer ist so alt wie meine Mutter. Ich bin auch mit meiner Mutter nicht immer einer Meinung. Wir möchten für uns selber sprechen.“
Die 30-jährige Susanne Klingner hat zusammen mit zwei weiteren Autorinnen das Buch „Wir Alphamädchen“ verfasst. Gemeinsam lehnen sie den alten als militant empfundenen Feminismus von Alice Schwarzer ab.
Alice Schwarzer: „Also dieses Spiel, das ich seit 35 Jahren kenne, und das mir aus den Ohren kommt, die Schwarzer ist von gestern, frustriert, das haben wir schon so oft gehört.“
Wie war das eigentlich, damals, in den 1970er Jahren, als Alice Schwarzer ihre ersten Aktionen startete? Viel Prügel musste sie einstecken. Sie war die Frontfrau im Kampf gegen konservative Abtreibungsgesetze. Sie verklagte den Stern wegen Sexismus, rannte gegen Wände, trat heftige Debatten los. Sie gründete die Zeitschrift EMMA und vertrat einen harten politischen Feminismus, rhetorisch brilliant und absolut kompromisslos. Wenn heute zumindest vor dem Gesetz, die Gleichheit von Mann und Frau erreicht ist, dann ist das auch ihr zu verdanken. Doch heute können ihr manche nicht mehr folgen – etwa, als EMMA kürzlich die dritte Auflage ihrer PorNo-Kampagne startete.
Alice Schwarzer: „Wenn ich mich mit Pornografie beschäftige, dieser Verknüpfung von sexueller Lust mit Erniedrigung, Erniedrigung und Gewalt –und Pornografie ist ja nichts anderes – dann schlägt mir schon ordentlich Häme und Gegenwind entgegen.“
Und das ausgerechnet von einer, die Alice Schwarzer ehemals bewundert hat – die 30-jährige Charlotte Roche, deren Roman „Feuchtgebiete“ seit Wochen auf Nummer eins der deutschen Bestsellerlisten steht. In ihrem Buch erforscht die ehemalige VIVA-Moderatorin den weiblichen Intimbereich, beschreibt die weibliche Lust in drastischer Sprache. Keine sexuellen Tabus! fordert Roche in ihrem Roman.
Charlotte Roche: „Mein Problem ist mit der Meinung von Frau Schwarzer, dass sie sagt, grundsätzlich, Pornografie ist was Schlechtes – das find ich zu einfach. Wenn man sich da durchwühlt durch den ganzen Dreck, dann findet man viele Perlen, und die will ich mir nicht verbieten lassen.“
Charlotte Roche hat noch ein Problem mit Schwarzer - findet sie nicht mehr glaubhaft, wegen ihrer Werbeaktion ausgerechnet für die BILD-Zeitung... Ist Alice Schwarzer also längst nicht mehr die Instanz der Gleichberechtigung für diese junge Frauen? Gerade was Bildung angeht, haben sie ja mächtig aufgeholt. Aber was Beruf, Karriere und Einkommen angeht, stehen sie immer noch schlechter da als Männer. Und vieles, was ihnen heute als selbstverständlich erscheint, hat Alice Schwarzer einst erkämpft . Und sie legt auch heute noch den Finger immer wieder in die Wunden, oder besser - mitten in die weiblichen Problemzonen...
Alice Schwarzer: „Heute ist die Frage verschärft der Schönheitswahn. Oder der Schlankheitswahn. Ganze Klassen kippen in die pathologische Hungersucht. Das ist heute die Sucht Nummer eins von Frauen. Also es gibt neue Probleme. Während die Welt den Frauen offen steht, wird ihr Körper zum Gefängnis.“
Inzwischen haben sogar internationale Model-Agenturen das Problem erkannt und wollen keine Mager-Modelle mehr engagieren. Für Alice Schwarzer ist der Schönheitswahn ein Zugeständnis an männliches Begehren. Das wiederum bedeutet Unterwerfung. Die jungen Feministinnen widersprechen – sie halten zwar den Körperkult für übertrieben, aber sehen sich keinesfalls in einer Opferrolle.
Jana Hensel und Elisabeth Raether: “Schönheitswahn, Magersucht – das sind heute keine Mittel zur Unterwerfung der Frau, das sind Mechanismen, die laufen subtiler. Und das ist da, wo Alice Schwarzer ungenau wird, und da habe ich das Gefühl, sie spricht nicht für mich und die spezifisch weiblichen Probleme.“
Spezifisch weibliche Probleme – für die Autorinnen längst nicht mehr verursacht durch männliche Dominanz. Kein Wunder, denn sie wohnen im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg, wo schon viele Männer die Kinder betreuen und die Gleichberechtigung in der Mitte der Familie angekommen zu sein scheint. Männerfeindlichkeit ist hier völlig out. Auch bei den Aphamädchen“..“
Susanne Klingner: „Der Ansatz, dass wir die Männer außen vorlassen, funktioniert für uns einfach nicht. Wir wollen die Männer dabei haben, wollen, dass sie sich mit uns entwickeln, mit uns versuchen, neue Lebensformen zu entwickeln, das ist schon der wichtigste Punkt.“
Die Kampfzone hat sich verschoben. Der Knackpunkt liegt für die Neu-Feministinnen in den vielen verschiedenen Rollen, die Frauen heute gleichzeitig ausfüllen: Sie sollen die coole Mutter sein, die erfolgreiche Karrierefrau und die Verführerin, die bei allem Stress nichts von ihrer Weiblichkeit verliert. Der reinste Rollensalat.
Alice Schwarzer : „Dieser Zynismus, dass man den Frauen gesagt hat, ihr könnt alles, ihr könnt Topkarriere machen, ihr seit supersexy, ihr seid tolle Mütter – natürlich, irgendwann brechen die mit Burnout zusammen.“
Susanne Klingner: „Das ist ein Folge des Feminismus und ein Missverständnis, dass aus einem 'Alles sollte möglich sein', ein 'alles muss sein' geworden ist. Aber Uns ist wichtig, wieder den Weg zu bereiten für ein: 'Alles soll möglich sein'. Also: Man kann alles, muss aber nicht.“
Es gibt noch viel zu tun – da sind sich wohl alle Frauen einig. Vielleicht liegen die alten und neuen Positionen gar nicht so weit auseinander. Könnte es nach den historischen Feministinnen des 19.Jahrhunderts und den Feministinnen der 70er Jahre, zu denen Alice Schwarzer gehört, demnächst eine gemeinsame Bewegung , geben - mit einem entspannteren Rollenverständnis?
Alice Schwarzer: „Es wird höchste Zeit für eine dritte Welle. Wenn sich das zusammen tun würde und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen würde, wäre das fabelhaft.“
Wir jedenfalls gratulieren zum Börnepreis. Frau Schwarzer. Sie dürfen uns auch in Zukunft auf die Nerven gehen. Wir freuen uns drauf.
Fast milde reagiert Alice Schwarzer auf die Attacken der „neuen Feministinnen“. Als Journalistin, Schriftstellerin und Publizistin streitet sie unbeirrt weiter für die Sache der Frau.Jetzt wird Alice Schwarzer dafür mit dem renommierten Ludwig Börne-Preis ausgezeichnet.
ttt über Alice Schwarzer und die neuen Feministinnen, die sich „Mädchen“ nennen.
Text des Beitrags:
Bildunterschrift: ]
Sie liebt den großen Auftritt. Alice Schwarzer, deutsche Ur-Mutter der Emanzipation, furchtlose Feministin und unermüdliche Kämpferin. Die sich von niemandem den Mund verbieten lässt... und das Highlight jeder Talkshow. Ihre Gegner müssen einstecken können - am Ende bleibt sie immer die lachende Dritte. Alice Schwarzer predigt, schimpft und mahnt. Und geht vielen auf die Nerven...
Alice Schwarzer: „Da mach ich mir keine Sorgen, umstritten bin ich und bleibe ich.“
Widerspruch kommt jetzt von unerwarteter Seite – von jungen Frauen, die sich Mädchen nennen, aber schon über 30 sind. Sie wollen aufmerksam machen auf Probleme ihrer Generation und haben deshalb das Buch „Neue deutsche Mädchen“ geschrieben und auch sie wollen sich emazipieren - von Alice Schwarzer allerdings....
Jana Hensel: „Alice Schwarzer ist so alt wie meine Mutter. Ich bin auch mit meiner Mutter nicht immer einer Meinung. Wir möchten für uns selber sprechen.“
Die 30-jährige Susanne Klingner hat zusammen mit zwei weiteren Autorinnen das Buch „Wir Alphamädchen“ verfasst. Gemeinsam lehnen sie den alten als militant empfundenen Feminismus von Alice Schwarzer ab.
Alice Schwarzer: „Also dieses Spiel, das ich seit 35 Jahren kenne, und das mir aus den Ohren kommt, die Schwarzer ist von gestern, frustriert, das haben wir schon so oft gehört.“
Wie war das eigentlich, damals, in den 1970er Jahren, als Alice Schwarzer ihre ersten Aktionen startete? Viel Prügel musste sie einstecken. Sie war die Frontfrau im Kampf gegen konservative Abtreibungsgesetze. Sie verklagte den Stern wegen Sexismus, rannte gegen Wände, trat heftige Debatten los. Sie gründete die Zeitschrift EMMA und vertrat einen harten politischen Feminismus, rhetorisch brilliant und absolut kompromisslos. Wenn heute zumindest vor dem Gesetz, die Gleichheit von Mann und Frau erreicht ist, dann ist das auch ihr zu verdanken. Doch heute können ihr manche nicht mehr folgen – etwa, als EMMA kürzlich die dritte Auflage ihrer PorNo-Kampagne startete.
Alice Schwarzer: „Wenn ich mich mit Pornografie beschäftige, dieser Verknüpfung von sexueller Lust mit Erniedrigung, Erniedrigung und Gewalt –und Pornografie ist ja nichts anderes – dann schlägt mir schon ordentlich Häme und Gegenwind entgegen.“
Und das ausgerechnet von einer, die Alice Schwarzer ehemals bewundert hat – die 30-jährige Charlotte Roche, deren Roman „Feuchtgebiete“ seit Wochen auf Nummer eins der deutschen Bestsellerlisten steht. In ihrem Buch erforscht die ehemalige VIVA-Moderatorin den weiblichen Intimbereich, beschreibt die weibliche Lust in drastischer Sprache. Keine sexuellen Tabus! fordert Roche in ihrem Roman.
Charlotte Roche: „Mein Problem ist mit der Meinung von Frau Schwarzer, dass sie sagt, grundsätzlich, Pornografie ist was Schlechtes – das find ich zu einfach. Wenn man sich da durchwühlt durch den ganzen Dreck, dann findet man viele Perlen, und die will ich mir nicht verbieten lassen.“
Charlotte Roche hat noch ein Problem mit Schwarzer - findet sie nicht mehr glaubhaft, wegen ihrer Werbeaktion ausgerechnet für die BILD-Zeitung... Ist Alice Schwarzer also längst nicht mehr die Instanz der Gleichberechtigung für diese junge Frauen? Gerade was Bildung angeht, haben sie ja mächtig aufgeholt. Aber was Beruf, Karriere und Einkommen angeht, stehen sie immer noch schlechter da als Männer. Und vieles, was ihnen heute als selbstverständlich erscheint, hat Alice Schwarzer einst erkämpft . Und sie legt auch heute noch den Finger immer wieder in die Wunden, oder besser - mitten in die weiblichen Problemzonen...
Alice Schwarzer: „Heute ist die Frage verschärft der Schönheitswahn. Oder der Schlankheitswahn. Ganze Klassen kippen in die pathologische Hungersucht. Das ist heute die Sucht Nummer eins von Frauen. Also es gibt neue Probleme. Während die Welt den Frauen offen steht, wird ihr Körper zum Gefängnis.“
Inzwischen haben sogar internationale Model-Agenturen das Problem erkannt und wollen keine Mager-Modelle mehr engagieren. Für Alice Schwarzer ist der Schönheitswahn ein Zugeständnis an männliches Begehren. Das wiederum bedeutet Unterwerfung. Die jungen Feministinnen widersprechen – sie halten zwar den Körperkult für übertrieben, aber sehen sich keinesfalls in einer Opferrolle.
Jana Hensel und Elisabeth Raether: “Schönheitswahn, Magersucht – das sind heute keine Mittel zur Unterwerfung der Frau, das sind Mechanismen, die laufen subtiler. Und das ist da, wo Alice Schwarzer ungenau wird, und da habe ich das Gefühl, sie spricht nicht für mich und die spezifisch weiblichen Probleme.“
Spezifisch weibliche Probleme – für die Autorinnen längst nicht mehr verursacht durch männliche Dominanz. Kein Wunder, denn sie wohnen im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg, wo schon viele Männer die Kinder betreuen und die Gleichberechtigung in der Mitte der Familie angekommen zu sein scheint. Männerfeindlichkeit ist hier völlig out. Auch bei den Aphamädchen“..“
Susanne Klingner: „Der Ansatz, dass wir die Männer außen vorlassen, funktioniert für uns einfach nicht. Wir wollen die Männer dabei haben, wollen, dass sie sich mit uns entwickeln, mit uns versuchen, neue Lebensformen zu entwickeln, das ist schon der wichtigste Punkt.“
Die Kampfzone hat sich verschoben. Der Knackpunkt liegt für die Neu-Feministinnen in den vielen verschiedenen Rollen, die Frauen heute gleichzeitig ausfüllen: Sie sollen die coole Mutter sein, die erfolgreiche Karrierefrau und die Verführerin, die bei allem Stress nichts von ihrer Weiblichkeit verliert. Der reinste Rollensalat.
Alice Schwarzer : „Dieser Zynismus, dass man den Frauen gesagt hat, ihr könnt alles, ihr könnt Topkarriere machen, ihr seit supersexy, ihr seid tolle Mütter – natürlich, irgendwann brechen die mit Burnout zusammen.“
Susanne Klingner: „Das ist ein Folge des Feminismus und ein Missverständnis, dass aus einem 'Alles sollte möglich sein', ein 'alles muss sein' geworden ist. Aber Uns ist wichtig, wieder den Weg zu bereiten für ein: 'Alles soll möglich sein'. Also: Man kann alles, muss aber nicht.“
Es gibt noch viel zu tun – da sind sich wohl alle Frauen einig. Vielleicht liegen die alten und neuen Positionen gar nicht so weit auseinander. Könnte es nach den historischen Feministinnen des 19.Jahrhunderts und den Feministinnen der 70er Jahre, zu denen Alice Schwarzer gehört, demnächst eine gemeinsame Bewegung , geben - mit einem entspannteren Rollenverständnis?
Alice Schwarzer: „Es wird höchste Zeit für eine dritte Welle. Wenn sich das zusammen tun würde und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen würde, wäre das fabelhaft.“
Wir jedenfalls gratulieren zum Börnepreis. Frau Schwarzer. Sie dürfen uns auch in Zukunft auf die Nerven gehen. Wir freuen uns drauf.
Donnerstag, 24. April 2008
Neue deutsche Mädchen
Jana Hensel und Elisabeth Raether, Neue deutsche Mädchen.
Ein neues Leben, eine neue Geschichte. Zwei Frauen um die 30 ärgern sich über die Selbstinszenierung des „Emma“-Femminismus, der so alt ist wie sie. Und sie beginnen, über ihr eigenes Leben Auskunft zu geben. Über ihren Aufbruch von Ost und West in die Großstadt, über ihre Herkunft, über Freundschaft, Liebe, Sex und Affären, über Jobs, Geld und Karrieren, über alte und neue deutsche Männer.
Selten war eine Generation der 30-Jährigen so frei, sich selbst neu zu erfinden, wie in der Nachwendezeit – was Lust und Last zugleich bedeutet. Wer sind sie also, die neuen deutschen Mädchen, was ist ihnen wichtig und was egal? Wovon träumen sie? Woher nehmen sie ihren Mut und ihre Vitalität, und wie sollen ihre Männer sein? Jana Hensel und Elisabeth Raether erzählen davon mit radikaler Offenheit – in einem Buch für junge Frauen, junge Männer und auch deren Eltern.
Anlagen zum Kultbuch - Cora Stephan in Lesart Deutschlandradio Kultur“Jana Hensel und Elisabeth Raether verabschieden sich ohne Trotz und radiale Gesänge von der Unbestimmtheit der Jugend und suchen Festigkeit in neuen Strukturen und Rollen. Sie leben Normalität, eine Existenz, die kein exzentrisches Drama von Unterdrückung und Befreiung bereithält, aber auch weniger Abenteuer und weniger Spannung verspricht. Daher die Melancholie. Egal – es scheint die bessere Wahl zu sein. Es ist genau der Ton, der das Buch zu einem Kultbuch machen könnte: die sanfte Trauer, mit der man erwachsen wird und die Grenzen wie die Wahrheit der Liebe erfährt.” ► “Neue deutsche Mädchen” bei ttt - Titel, Thesen, Temperamente 13.04.2008 23.00 Uhr ARD
„Neue deutsche Mädchen“ von Jana Hensel und Elisabeth RaetherRowohlt Verlag Reinbek, 1.4.2008, 224 Seiten, € 16,90ISBN: 978-3-498-02994-4
Ein neues Leben, eine neue Geschichte. Zwei Frauen um die 30 ärgern sich über die Selbstinszenierung des „Emma“-Femminismus, der so alt ist wie sie. Und sie beginnen, über ihr eigenes Leben Auskunft zu geben. Über ihren Aufbruch von Ost und West in die Großstadt, über ihre Herkunft, über Freundschaft, Liebe, Sex und Affären, über Jobs, Geld und Karrieren, über alte und neue deutsche Männer.
Selten war eine Generation der 30-Jährigen so frei, sich selbst neu zu erfinden, wie in der Nachwendezeit – was Lust und Last zugleich bedeutet. Wer sind sie also, die neuen deutschen Mädchen, was ist ihnen wichtig und was egal? Wovon träumen sie? Woher nehmen sie ihren Mut und ihre Vitalität, und wie sollen ihre Männer sein? Jana Hensel und Elisabeth Raether erzählen davon mit radikaler Offenheit – in einem Buch für junge Frauen, junge Männer und auch deren Eltern.
Anlagen zum Kultbuch - Cora Stephan in Lesart Deutschlandradio Kultur“Jana Hensel und Elisabeth Raether verabschieden sich ohne Trotz und radiale Gesänge von der Unbestimmtheit der Jugend und suchen Festigkeit in neuen Strukturen und Rollen. Sie leben Normalität, eine Existenz, die kein exzentrisches Drama von Unterdrückung und Befreiung bereithält, aber auch weniger Abenteuer und weniger Spannung verspricht. Daher die Melancholie. Egal – es scheint die bessere Wahl zu sein. Es ist genau der Ton, der das Buch zu einem Kultbuch machen könnte: die sanfte Trauer, mit der man erwachsen wird und die Grenzen wie die Wahrheit der Liebe erfährt.” ► “Neue deutsche Mädchen” bei ttt - Titel, Thesen, Temperamente 13.04.2008 23.00 Uhr ARD
„Neue deutsche Mädchen“ von Jana Hensel und Elisabeth RaetherRowohlt Verlag Reinbek, 1.4.2008, 224 Seiten, € 16,90ISBN: 978-3-498-02994-4
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